Der Schuss ist gefallen......
Der Schuss ist gefallen - der Startschuss. Getroffen wurde die erste Leich’ aber dann doch von einem Messer. In der kriminellen Kurzgeschichte, die mit dem 1. Preis der 3 Auszeichnungen des Agatha-Christie-Preises gewürdigt wurden. Die Preisverleihung – ich war als Gewinnerin eines Gewinnspieles erfreulicherweise nicht nur in den Besitz dreier weiterer krimineller Anleitungen zum Morden im Taschenbuchformat gelangt, sondern auch zur festlichen Eröffnung und Preisverleihung eingeladen -- bildete den offiziellen Auftakt zum Krimifestival München 2006 in München. Nach Begrüssungsworten durch Dr. Wittmann vom Literaturhaus als Gastgeber der Eröffnungsveranstaltung und einleitenden Worten des Stadtrates Heimo Liebich, übernahm Frau Dr. Cornelia Borchardt die Moderation und Regie des weiteren Abends, der mit Michael Lutzeier am Bariton-Sax musikalisch themengerecht abgerundet wurde. Stücke wie der „Kriminaltango“ und „Der rosarote Panther“ lieferten die musikalischen „Theaterpausen“ für die Inszenierung der Preisverleihung, die Lesung des Stückes „Der Spucker“ durch Hans Jürgen Stockerl und eine kabarettistische Dankesrede für einen Sonderpreis, den Jörg Maurer erhalten hatte und welche er dichterisch an mehr oder minder wahrheitsgemäss zitierte Dankesreden der vormaligen Preisträger Thomas Mann, Edgar A. Poe, Raymond Chandler anlehnte und dabei gar Kafka bis in die literarische und biologische Prä-Agatha-Christie-Periode dramaturgisch effektvoll und hintersinnig parodiert verlagerte.
Der Enkel von Agatha Christie, Sir Matthew Prichard, verlieh heiterverschmitzt mit humorvollen Einlagen die Preise an die 3 Preisträger und gab die eine oder anderen Einblicke in seine persönlichen Erfahrungen mit seiner Grossmutter Agatha Christie – zB ihre Disziplin und gute Organisation beim täglichen Schreiben, ihre Vorlieben für manche ihrer erfundenen Figuren oder Abneigungen gegen diese – über die er plaudernd erzählte.
Später war es eine andere Enkelin, die Jörg Maurer mit einem überraschenden Tulpen- und Weidenkatzerlstrauss, ein wenig die Pointe nahm....oder lieferte – je nach Sichtweise. Es war die nicht weniger als Sir Prichard verschmitzt lachende Enkelin Karl Valentins, die sich im Publikum „eingeschmuggelt“ hatte !
Die Jury des Agatha-Christie-Preises - Dr. Maria Furtwängler (am Eröffnungsabend des Festivals leider wegen Dreharbeiten in Littauen verhindert), Nina Hugendubel, Ulrike Zeitlinger, Andreas Hoh (Krimifestival München) und Dr. Cordelia Borchardt (Fischer Verlag) hatten unter 1600 Einsendungen die besten Kriminalstorys auszuwählen. Wer immerhin noch 25 der weiteren besten Geschichten davon nachlesen will, kann dies in einem dafür herausgegebenen Paperback „Gefährliche Gefühle“, in denen diese herausgefiltert wurden.
Mindestens ebenso spannend, breit gefächert und literarisch, wie auch nach Locations der Veranstaltungen der nun eröffneten beiden Krimiwochen, verführerisch zu Mord und anderen Kriminaltaten einladend aber ist das Programm des Krimifestivals München. Locations der Lesungen sind neben dem Schießstand des LKA, der Löwengrube im Polizeipräsidium in der Ettstrasse, dem Justizpalast, der Pathologie, der schon wegen ihrer Bibliotheksarchitektur sehenswerten Juristischen Bibliothek des Rathauses, dem Schwurgerichtssaal im Justizgebäude des Strafjustizzentrums in München auch die Krimi-Tram der Linie 19 vom Stachus/Lenbachplatz beim Strafjustizzentrum. Die Löwengrube, wie das Polizeipräsidium in der Ettstrasse genannt wird, hat spätestens seit der gleichnamigen Fernsehserie von Purucker mit den dafür (so Jörg Hube mit dem Grimme-Preis) ausgezeichneten und selbst ohne Preise ausgezeichneten Schauspielern Fernsehgeschichte geschrieben und Münchner Geschichte liebenswert in einer Familienchronik nachgezeichnet und wieder aufleben lassen und in Serien wie „Derrick“, „Der Alte“ und „Siska“ den unzählig oft den Ermittlungsort neben den Tatorten geliefert. Der Justizpalast mit seinem Lichthof und der klassizistischen Architektur ist eine stilvolle Kulisse für kriminelle Locations, auch wenn er heute nicht mehr – wie ehedem noch zu den Kriminalfällen wie dem der Vera Brühne – für Strafprozesse im Alltag der Justiz verwendet wird, sondern das Landgericht in Zivilsachen beherbergt. Strafjustizgeschichten und –Geschichte wird dagegen in München seit vielen Jahren im „neuen“ Strafjustizzentrum geschrieben, protokolliert, aufgeklärt und manchmal in medienträchtigen Indizienprozessen in Urteilen zu den Akten genommen. So zB auch im Schwurgerichtssaal 1993 anlässlich des Mordprozesses um einen bekannten bayerischen Volksschauspieler, als dort die mehr als 50 Verhandlungstage des Prozesses stattfanden, in dem derjenige Kriminalkommissar ermittelt hatte, der nun im Rahmen des Krimifestivals
http://www.krimifestival-muenchen.de/Programm/Barista_-_Der_Duft_des_Kaffees/Schwurgerichtssaal_-_Leif_GW_P/schwurgerichtssaal_-_leif_gw_p.html
an diesem Tatort seines Berufes (inzwischen zum Leiter der Münchner Mordkommission befördert) gemeinsam mit dem derzeitigen Leitenden Oberstaatsanwalt in München und dem schwedischen Bestsellerautor und TV-Moderator Leif GW Persson ("Eine andere Zeit, Ein anderes Leben") neben Peter Kremer („Siska“) –eine Rolle bei der Veranstaltung „Zeugen der Anklage“ einnehmen wird.
Näheres zu diesen und weiteren Programmpunkten des inzwischen 4. Krimifestivals München :
http://www.krimifestival-muenchen.de/Programm/programm.html
Und by the way... ich kann's nur empfehlen - nichts beruhigt auf anregende Weise so sehr, wie die Lektüre eines netten kleinen Mordes -- mit sauberer literarischer Feder entworfen und chirurgisch sauber Spuren folgend ausgeführt. Oder heiter formuliert: Krimis sind einfach die anregendste und harmloseste Form der Unterhaltung, mit der alle etwaigen eigenen kriminellen Gedanken, Ideen und Phantasien in bestem Sinne in die richtigen Bahnen gelenkt werden können, ohne dass die bayerische Polizeistatistik der Weltstadt mit Herz einen Schaden nehmen muss ;-))
Dass diese Stadt zumindest für Mäuschen der 4beinigen Art sicherer ist, als die Namenspatin des Agatha-Christie-Preises nicht nur mit ihrer "Mausfalle" und ihren literarischen Nachfolgerinnen vermuten lassen könnte, davon haben wir uns dann beim Weg vom Literaturhaus zurück zum Odeonsplatz noch überzeugen können. Dort flitzte uns nämlich ein solch knopfäugiges Mauserl ganz offenkundig aus dem Hofgarten und der Residenz und den dort die erste wärmere Nacht gleich ausnutzenden Menschen flüchtend, direkt vor unseren Füssen über’s Münchner Trottoir, hielt inne, blickte uns an, als wollte es uns fragen, ob es nun wieder gefahrlos Richtung Kircherl am Salvatorplatz und dem dortigen Literaturhaus seinen Heimweg nehmen könnte, ohne dass Münchner Nachtschwärmer dieser Tage aus einem kriminalistischen Unverstand heraus Christie’s „Mousetrap“ übermütig neu mit echten, ...soll heissen: natürlichen Darstellern ausprobieren wollen. Vielleicht glaubte es uns nicht ganz unsere ganz und gar nicht mäusemörderische Gesinnung, denn lang hielt es sich nicht auf, machte kehrt, warf einen kurzen Blick auf den Mercedes S 500 hinter den Hochglanzscheiben und nahm dann den eng an der Wand entlangführenden und nur kleinste unauffällig Schatten werfenden Huschweg entlang der Mauer – und um die Ecke und weg war’s! Vorsicht ist besser als Nachsicht, denn: An der Ecke zur U-Bahn bei der Theatinerkirche und der Feldherrnhalle braucht's allerdings reichlich Mäuse - die Ausstellungsräume einer Luxusklasse an Strassenflitzern lassen da Träume bei manchen wach werden, die mit solcherlei 4beinigen Mäusen allerdings unerfüllt bleiben. So manchen mag das derzeit so mild gewordene Münchner Frühlingslüfterl in den Kopf steigen und auf Ideen zu nächtlichen Streif- und Raubzüge bringen, mit denen dann anderen Mäuschen...solche, andere und noch ganz andere .... in die "Moustrap" gehen sollen.... Verbrechen aber lohnt sich auch in München ...........NUR literarisch.... überzeugen kann man sich davon derzeit inspirierend und auf heitere und kulinarisch fein und keineswegs immer lebensgefährlich von Zutaten begleitete Weise....
*augenzwinkernd
`de SanfteBrise7