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Du befindest dich in der Kategorie: Kalender Mittwoch, 08. März 2006
Schloss Bergedorf : Sonderausstellung mit Augenzwinkern bis 26. März 2006
Schloss Bergedorf (Bild in fullsize: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/480709/display/5153728 ) ist die einzige bestehende Wasserburg im Land Hamburg und besitzt eine mehr als 750-jährige Geschichte. Während einer dänischen Herrschaft ab 1202 bewilligte deren Statthalter Graf Albrecht von Orlamünde den Bergedorfern eine Wassermühle und den Stau der Bille und liess auf einer Insel im Stausee für sich eine Wasserburg anlegen. Die Burg beherrschte nicht nur die durch Bergedorf führende Heer- und Handelsstrasse nördlich der Elbe und den für die Holzflösserei wichtigen Billefluss. Die Wasserburg war auch der Herrschaftshof, an den Abgaben und Frondienste zu leisten waren. Nach dem Sieg über den dänischen König hielt Herzog Albrecht von Sachsen Hof in der Wasserburg. 1275 erhielt Bergedorf Stadtrecht nach Lübecker Vorbild, doch machten sich die Ritter des Mölln-Bergedorfer Teilherzogtums sich durch Strassenraub die bereits aufblühenden Hansestädte Hamburg und Lübeck zum Feind. Es kam zu Übergriffen und zu lübeckischer Besatzung. Durch eine List zwang Herzog Erich IV. von Sachsen-Lauenburg die Wasserburg heraus, machte sich noch anderer Übergriffe gegen die erkauften Rechte Lübecks und gegen den Handelsverkehr schuldig, bis schliesslich Lübeck und Hamburg sich 1420 verbündeten und mit einer Streitmacht von 3800 Söldnern gegen ihn aufzogen und nach Plünderung der kleinen Stadt Bergedorf und 4-tägiger Belagerung den Herzog zur Übergabe der Burg zwangen. Durch den in Perleberg geschlossenen Frieden wurden die Herrschaften Bergedorf und Riepenburg und der halbe Sachsenwald den siegreichen beiden Städten Hamburg und Lübeck zugeschrieben. Im Zuge des Wiederaufbaus der durch die Belagerung stark beschädigten Burg entstand auch die Ringwallanlage und ein besonders mächtiger Geschützturm, der Zwinger. .
. Herr auf dem Schloss zu Bergedorf war bis 1620 ein Amtmann, der jeweils für 6 Jahre aus dem Ratskollegium Lübecks und Hamburgs gewählt wurde. Nur diesen auch rechenschaftspflichtig waltete er wie ein Feudalherr, dem wie zuvor Frondienste und Abgaben geleistet wurden. Von 1620 an wurde regelmässig ein Jurist ebenfalls abwechselnd von den beiden Städten zum Amtsverwalter auf Lebenszeit bestellt, allerdings dann mit weniger Befugnissen und stärkerer Kontrolle durch 2 jährliche Visitationen. 1868 ging das Amt Bergedorf, welches 450 Jahre lang einen staatsrechtlichen Sonderfall dargestellt hatte, durch Ankauf des lübeckischen Anteils in den nun alleinigen Besitz Hamburgs über. Nun wurde die Landsherrenschaft Bergedorf zentral von Hamburg verwaltet. An ihrer Spitze stand ein Hamburger Senator, sein Stellvertreter war der Bürgermeister Bergedorfs. Das Schloss beherbergte nun das Bergedorfer Bürgermeisteramt, das Amtsgericht, Gerichtsvollzieheramt und die örtliche Polizeibehörde. Im Obergeschoss des Schlosses zeigt der Amtsgerichtssaal ein schönes Beispiel der damals entstandenen und durch Umbauten prächtig eingerichteten Räume. Am prächtigsten wurde das kleine Sitzungszimmer ausgestattet, das dem Landherren für die Zusammenkünfte mit den Bürgermeistern und Gemeindevorstehern diente. .
. Dieses sog. Landherrenzimmer zeigt eine wunderschöne Mahagoni-Wand- und Deckenvertäfelung mit Vierländer Intarsienarbeiten, ebensolches Mobiliar, eine mit handgemalten heimatlichen Motiven reich geschmückte Wandfliesen- und Kachelofenausstattung mit Fayence-Kacheln und .
. Bleiglasfenster mit Familienwappen. .
. Mit der hamburgischen Verfassung 1921 wurde den im Stadtstaat gesonderten Städten und Landgemeinden erweiterte Selbstverwaltung zu, so erhielt auch Bergedorf 1927 ein eigenes Rathaus und das Amtsgericht ein eigenes Gebäude. In das Schloss zog später die Heimatsammlung des Bergedorfer Bürgervereins ein, die den Grundstock des seit 1953 als Aussenstelle des Museums für Hamburgische Geschichte geführten Museums für Bergedorf und die Vierlande bildete. Derzeit ist noch bis 26. März eine interessante und bunt gemischte Sonderausstellung im Schloss zu sehen, die anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Museums seit Sommer 2005 gleichermassen durch die Vielzahl geschichtlicher Zeugnisse und kostbaren Einzelstücke fasziniert wie auch durch eine zunächst irritierende Besonderheit erheitert, die den Besuch jeden Raumes schon mit einem Augenzwinkern und erheiterten Lachen begleitet........... glaubt man noch im ersten Raum, das kleine Spielzeugauto auf der Glasvitrine oder die Fahrradklingel auf einem anderen Objekt seien ebenso wie die altmodische Sonnenbrille auf der Glasplatte mit den Broschen seien zufällig vergessene Habseligkeiten vorangegangener Besucher, entdeckt man erstaunt und dann erheitert, mit welcher Ironie Gegenstände des alltäglichen Lebens mit geschichtlich älteren Exponaten sehr hintersinnig verknüpft wurden....bis man sich ertappt, buchstäblich von Raum zu Raum „im Jagdfieber“ nach den scheinbar ausstellungsfremden Utensilien fast schon mehr Ausschau zu halten, ob man sie auch alle entdecke, als nach den (vermeintlich) „nur“ ausstellungswürdigen älteren Exponaten........ eine geschichtliche Schnitzeljagd mit Augenzwinkern......und alles andere als ein ermüdender Museumsbesuch...
Mehr Information zur Ausstellung "Vom Portici zum Schloß. Die Geschichte des Museums für Bergedorf und die Vierlande"
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