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Du befindest dich in der Kategorie: Alltägliche Gedankenhupfer Montag, 06. März 2006
Alle kämpfen sich durch .......
Alle kämpfen sich durch .......nicht nur durch's Leben, sondern seit dem Wochenende vor allem durch die Schneemassen, selbst die Kleinsten ;-))) ...wie dieser Schneebagger im Miniatur Wunderland aus Hamburg...... Aber dennoch schaffen's in München heute viele nicht ins oder bis zum Ziel - Ich hatte ein verlängertes Wochenende mit meinem Filius in Hamburg eingelegt und schon in der Nacht auf Sonntag hatte selbst in Hamburg der Schneefall ordentlich eine Guten-Morgen-Überraschung gezaubert – der geplante Zug über den Fischmarkt musste erst die Hürde eines weiter in dicken Schneeflockenfall gehüllten Sonntagmorgen nehmen, dick eingepackt etwas anders als vorgesehen, aber entschlossenen Mutes, sich das Vergnügen vor der Rückfahrt mit dem Zug nicht nehmen zu lassen. Die Händler überschlugen sich im Schreien um die Kundschaft mit ihrem „Orangen – Kiste 2 Euro !“ , „Aale, frische Aale 10 Euro – und wenn ich DA noch Gewinn mit machen soll, denn trägt dat die Maus heute oop’em Schwanz heim, wat ich da noch dran verdien’“ ...und während das Obst , Gemüse und die Händler selbst in leichten Schneehauben eingezuckert wurden, war von schlechter Laune nix zu sehen oder zu hören ..........10:47 ICE ab Hamburg Altona dann nach München ...heilfroh, dass wir uns eine Reservierung gesichert hatten, sassen wir dann mit MP3Player, Krimilektüre und einer Thermosflasche, mit Krabbenbrötchen frisch vom Fischmarkt, Gebäck, heissem Wasser und Teebeutelchen für den Aufguss am Sitzplatz und hatten es warm und behaglich auf einer Fahrt durch eine wunderschön anzusehende verschneite Winterlandschaft, wie man sie allzu oft ja nicht zu sehen bekommt, denn wie oft wird doch ein „richtig schön verschneiter Winter“ nicht nur grade zu den „grünen Weihnachten“ hierzulande vermisst... und eine Zugstrecke, die ich durch viele Fahrten zwischen München und Hamburg schon in vielerlei jahreszeitlichen Variationen nur zu gut kenne, ist auf einmal wieder ganz anders und abwechslungsreich anzusehen und zudem faszinierend schön weiss verkleidet....ein Genuss, wenn man nicht am Steuer sitzt und (zugegebenermassen auf der Strasse und der Autobahn verkehrs- und witterungsbedingt) wenig Spass daran hätte. Und zugegeben, auch wer am Münchner Flughafen abfliegen und ankommen wollte und zu den rund 100 gecancelten oder verspäteten Flügen wollte oder musste, hatte an den notwendigen Verzögerungen durch die rund 30 minütigen Enteisungen auch wenig Freude. Aber wie viel technischer, personeller und logistischer Aufwand wurde DENNOCH bewältigt und wie viele wirklich unaufschiebbare Dinge wurden durch Verzögerungen denn wirklich versäumt ? Und was bedeutet es angesichts solcher Handicaps eigentlich den mürrischen Nörglern, dass und wie oft sie ohne Verzögerungen und Handicaps und vor allem ohne einen tatsächlichen Schaden so selbstverständlich sonst dorthin und auch pünktlich gelangen, wo sie nach ihrem jeweiligen persönlichen Tagesplan hin wollen ? Mit welcher Selbstverständlichkeit Menschen glauben, immer, alles und überall unter ihrer ganz persönlichen Entscheidung und Kontrolle haben zu wollen und müssen, merkt man dann vor allem in jenen Situationen, wo die Uhr und der Fahrplan mal von diesen zig-Millionen persönlichen kleinen Wichtigkeiten abweichen. Und dann offenbaren sich Naturelle von Nörglern, Motzern, Cholerikern, zickigen, hysterischjapsenden, mit Beschwerden drohenden VIPs hinter den Fassaden sanfter Senioren, Eltern mit Kindern, Paaren mit Bahncomfortcards für den jederzeitigen Anspruch auf bevorzugte Behandlungen und das (ach ja ? ) Recht auf jede – nicht ICE- aber doch - verbale Entgleisung aus den eigentlich zwischenmenschlich üblichen und für sich beanspruchten Anstands- und Benimmregeln. Da hält der ICE – ja, was denn !?? DARF ein ICE denn überhaupt mal zwischendrin woanders halten als an einem der im Begleitfaltblatt genannten Bahnhöfe und an diesen bitte auch nur zu den pünklichst einzuhaltenden Zeitangaben !???? – tatsächlich auf freier Strecke ......einer hübschen übrigens,...mit landschaftlich zauberhaft im Spätnachmittagslicht glitzernden Schnee auf Zweigen, Ästen, Bäumen, ...zwischen Feldern, auf denen einige Rehe zum Abendessen zu sehen sind, während ein Greifvogel an einem der Feldpfosten ganz nahe sitzt und auf das seinige noch Ausschau hält... sieht das jemand noch ? Die Eltern der drei temperamentvoll seit Stunden direkt neben mir einen Jux und ein Kinderspiel nach dem anderen treibenden Kiddies, die das als willkommene Abwechslung für ihre Sprösslinge ansehen könnten – nein, die sicher nicht. Denn die beklagen sich doch lieber bei anderer Gelegenheit, wie traurig es in dieser Welt sei, dass ihre Kinder Wildtiere nur noch in Wildtierparks erleben könnten, für die man auch noch Eintritt zahlen müsse ! Das mittelgealterte Paar hinter mir, das sich seit Stunden darüber immer wieder penetrant darüber aufregt, dass die Fahrt so gleichtönig und wenig abwechslungsreich sei, zumal ausnahmsweise wegen einem technischen Defekt die Audioanlage nicht ermöglicht, Radio oder Hörspiele am Sitzplatz zu hören und – Frechheit, nicht wahr !?? – auf der Zugstrecke nicht einmal ein Techniker zusteige und das bitteschön sofort behebe , damit ihre höchstpersönliche und schwer beeinträchtigende Befindlichkeitsstörung behoben werde.... nun, meinem Eindruck nach, lag die Befindlichkeitsstörung weniger in dem technischen Defekt, als in jenem ihrer Beziehung, die es unmöglich machte, dass sie ca 6 Stunden Zugfahrt mit einem Gespräch miteinander als lieber jeder mit einem dem jeweils anderen ausschliessenden Kopfhörer verbringen konnten. Vermutlich nörgelte SIE sonst oft genug, dass ER kaum daheim sei und Zeit mit IHR verbringe oder sich beim Frühstück mehr von der Headline der Morgenzeitung über der Kaffeetasse zu lesen als von IHM zu sehen und schon gar mit ihm zu reden sei..... Ich war froh nicht auch noch darüber nachdenken zu müssen, wie sie wohl die bevorstehenden beiden Wochen am Urlaubsort zu überstehen gedachten, wenn sie womöglich mal ganz mit sich allein sein würden.....Und selbst bei dem jüngeren Pärchen vor uns konnte man anfangen zu grübeln, ob sie -- bereits jetzt ?? – mehr Abwechslung und Gesprächsstoff und Gemeinsamkeit im Ärger über jegliche kleine Abweichung von minütlich einzuhaltenden Fahrplänen und Fahrttempo besassen, als an dem gemeinsamen und geteilten Genuss einer geradezu romantisch anmutenden Landschaft rund um den Weg in einen gemeinsamen Urlaub, zu dem sie offenkundig nach Innsbruck unterwegs waren.... Ein Gedanke, auf den man nicht nur deswegen verfiel, weil sie sich endlos in der Diskussion über das „warum“, „wieso“, „wie lang denn noch !?“ des Stops auf freier Strecke verloren, sondern bereits zuvor und danach nicht weniger jeder auf dem eigenen Handy endlose Zahl von jeweiligen Bekannten anriefen und mit diesen über belangloseste Nichtigkeiten mehr verbale Energien entfalteten, als offenkundig Spass daran fanden, sich MITEINANDER auf ihrer gemeinsamen Reise zu unterhalten oder sich auf diese und was sie vielleicht alles unternehmen könnten zu freuen ......oder eben einfach schweigend gemeinsam geniessen zu können.... Waren sie also wirklich böse über die Störung ??? ...Smyle... oder nicht vielleicht doch geradezu froh, einen gemeinsamen Ärger zu besitzen oder hochzustilisieren, weil wenigstens DAS eint und ablenkt von einem sonst allzu langweiligem, aber unangenehmen Gefühl ? Es ist eben um vieles leichter, sich sage und schreibe 3 Stunden alle paar Minuten erneut über die von anderen „verschuldete“ ganz sicher zu erwartende Verzögerung des ICE lauthals zu ärgern, die ohnehin nicht zu ändern ist, als ein gemeinsames anderes Gesprächsthema zu finden, das einen selbst oder den Partner und gemeinsam unterhaltendes betrifft.... und zu dem der andere womöglich eine andere Meinung haben konnte, als man selbst oder womöglich gar nichts zu sagen oder zumindest nicht mit dem Partner zu reden ..... Ja,.... so unerwartete Schneemassen und andere ganz und gar natürliche Hürden in einem so technisierten, organisierten und Zeit- und anderen vermeintlichen Tages- und Lebensplänen können recht unbequem sein und unbequeme Gefühle wecken und Fragen aufwerfen...... und ein bisserl Zeit und Zeitverzögerungen können eine gute kleine Zwangspause sein, um nachzudenken, ob nicht so sehr das Tempo des Zuges, sondern vielleicht die Richtung zum Nachdenken und miteinander reden anregen sollten.... manch einer würde dann vielleicht umsteigen,...und feststellen, dass das vermeintlich unbequeme Mittel, der scheinbar erzwungene Umweg und ein anderes Verkehrsmittel, um doch weiter zu kommen, gar nicht schlecht sind, um mal wieder andere, bessere und sich zumindest lebendiger anfühlende Perspektiven wahrzunehmen....
Wir kamen übrigens mit rund 30 Minuten Verspätung in München an, erwischten einen bereits rund 12 Stunden fahrenden und dennoch heiteren und netten Taxifahrer, der uns trotz dichter und kaum geräumter Seitenstrassen freundlichst mit unserem Gepäck bis direkt vor die Tür brachte, wo ich als Autofahrerin lieber nicht selber durch die eng geparkten und eingeschneiten Pkws hätte lavieren wollen ......
Ach ja....Sowohl der EC nach Wien als auch derjenige über den Brenner über Innsbruck haben auf die Fahrgäste aus dem ICE 30 Minuten gewartet.....Sie mussten also – wohl oder übel – im EC dann entweder ein anderes Thema miteinander finden, als sich in München aufregen zu können, wegen der „bösen bösen DB“ (DIE haben ja auch das Wetter gemacht !! .... ) den EC nach Innsbruck verpasst zu haben...oder sich ein paar weitere Stunden dann im EC darüber aufregen, dass sie nun - ebenso wie alle diejenigen, die im EC ihrerseits warten mussten, bis der ICE eingetroffen war, mit 30 Minuten Verzögerung von München abfahren und in Innsbruck ankommen werden..... Es wäre aber doch auch ZU schön, eben einfach nicht auszuhalten schön gewesen, sich einfach nur zu freuen, dass man ungeachtet aller Hürden auf dem gemeinsamen Weg dennoch und heil am Sonntagabend in einem romantisch verschneit und beleuchteten Innsbruck ankommen konnte und einen ersten schönen gemeinsamen Abend dort verbringen würde, gell ? ;-)
Und nun mache ich mir die 2. Tasse Espresso und beneide nicht einen einzigen derer, die tagtäglich sonst so unbemerkt und endlich nun mal wieder SPÜRBAR für reibungslose Abläufe im Alltag der heimlichen und manchmal un-heimlich benimmlosen VIPs unter meinen cholerischmutierenden Mitmenschen sorgen......Und dann geniesse ich diesen Espresso beim Nebenbei-beim-Telefonieren-Blick aus dem Fenster in zauberhaft dick weiss verschneite alte Bäume im Warmen, nachdem ich seit ca 5 Uhr morgens meine Termine für den heutigen und morgigen Tag umkoordiniert und verlegt, persönliche Termine durch Telefongespräche und Mails ersetzt und die nicht ersetzbaren durch neue Termine umgeplant habe. Geniesse ihn in und nach der dafür gewonnenen Zeit, in der ich die erst für später in der Woche auf Wiedervorlage gelegte Korrespondenz (die ich damit erfreulicherweise bereits heute erledigt und "vom Tisch und nicht mehr als Block vor mir habe") geschafft habe. Und bei den Telefonaten wegen der Terminverlegungen haben die gemeinsam alle betreffenden Hürden des Schnee-Über-Falles manches nette Telefonat und die eine oder andere Geschichte einen netten persönlichen Schnack am Rande die Kundenbeziehung sicher wieder durch den netten Schnack vertieft ;-))) ...auch am anderen Ende des ICE ...uops... des Telefons sitzen schliesslich "nur" Menschen ....immerhin... ;-))) oder nicht !? Und unter diesen sind doch auch alle die Manager und Time-Organizer, die uns tagtäglich mit Slogans von "neuer Flexibilität" , "moderner Mobilität" und "überall online access" predigen, die sie so gut beherrschen und mit denen das Leben so viel flexibler zu gestalten sei.... Wohlan ! ...Es fehlt wohl nur manchmal an der Flexibilität des Menschen, sich auf Unvorhergesehenes selbst bewegen zu wollen....oder können ? ;-)) *augenzwinkernd* und mit einem heiteren Gruss: der Gedankenhupfer einer SanftenBrise7 ;-)
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