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Du befindest dich in der Kategorie: Rezensionen Montag, 27. Februar 2006
Fremlins "Rendezvous mit Gestern"
Man muss nur umziehen....... und am besten ein Bücherwurm sein, der es liebt, mit vielen vielen (*räusper* in meinem Fall: mit mehreren tausend) Büchern zu leben, ...dann erst weiss man, was Sysyphos litt, als er vergeblich wieder und wieder seinen Riesenstein den Berg hinaufhievte, nur um dann wieder von vorne anfangen zu müssen, weil eben jene Granitkugel ihm mit dem Zurückrollen die Freude lebenslanger Beschäftigungsgarantie bot. Es scheint bei solchen Umzügen, als würden die Bücherkisten nie und nimmer ein Ende nehmen und der Rücken ist ein hübsch nachtragender Gradmesser wie tief die Leseleidenschaft sich in Füllungen für die Wandregale bereits ins eigene Leben eingezeichnet hat. Wie auch immer, irgendwann ist auch die letzte Kiste eingepackt, ausgepackt und ihr Inhalt in den Bücherregalen wieder in einem "daheim" angekommen... Natürlich geht dieses Ein- und Auspacken nicht ohne dann und wann der Versuchung zu erliegen, einen kurzen Moment bei diesem oder jenen Buch innezuhalten , da bei dieser Gelegenheit überrascht, welche Bücher man schon fast wieder vergessen glaubt. Und man ist nahe daren, diese am liebsten sofort aufzuschlagen und am besten beim wohltuenden Entspannungsbad (hachseufz) nach Kistenschleppen, Malerarbeiten, müden Knochen, noch müderen Füssen, wieder in den Seiten und Zeilen solche grausligen Umzugstage hinter sich lassen zu wollen..... Allerdings ist selbst vor sich selbst schwer zu glauben, dass man diese Bücher aufschlagen und einlesen muss, um sie -ENDLICH UND WAS FÜR EINE FABELHAFTE BESTE GELEGENHEIT- auch richtig sortiert in die Regale einstellen zu können, was man doch schon längst mal machen wollte....Und so vertröstet man sich disziplinierter als man es ehrlicherweise lieber wäre, auf die Tage nach dem Umzug und seinem irgendwann - oh Wunder ! - doch endenden Strom an missliebigen 1001 Kleinigkeiten, die man da zu erledigen hat. ......Yes, endlich ist dieser Tag gekommen und (naja, 2 Kisten stehen doch noch da, die noch nicht so recht den Platz für ihren Inhalt gefunden haben und noch wegzuräumen sind... ) und abends die Zeit, wenigstens in der Badewanne oder auf dem Sofa nach dem ausgiebigen Wasch-die-Wandfarbe-aus-den-Haaren-Melissen-tut-DAS !!!!-guuuut-Bad das erste der lange nicht mehr gelesenen Bücher zur Hand zu nehmen................ Und so hab ich wieder angefangen, mich durch meine umfangreiche Bibliothek an Kriminalliteratur neu durchzulesen, .... nach mehr als 10 Jahren seit der Erstlektüre vieler Bücher der "Sammlung" sind sie wieder spannend, da nicht mehr so präzise im Handlungsstrang in Erinnerung sind und ohnehin werden sie nach dieser Zeit mit einem anderen Blick gelesen... Gerade habe ich Celia Fremlins "Rendezvous mit Gestern" in der Hand, das ich Weihnachten 1992 erstmals las. Das unter dem Titel "Appointment with Yesterday" 1972 in der Originalausgabe publizierte und 1988 bei Diogenes veröffentlichte Büchlein ist eine der Kriminalgeschichten, deren feinen, manchmal sehr schwarzen Humor man bei Fremlin immer wieder in ihren Psychothrillern findet...Oft mit Margaret Millar oder Patricia Highsmith verglichen, mag ich Celia Fremlins Psychothriller weit mehr als die der beiden anderen, weil sie für mich das scheinbar Banale und Alltägliche viel subtiler und unter die Haut gehender allmählich in den leisen Schrecken zu führen versteht und dies mit feinen kleinen sozialkritischen und sozialironischen Spitzen zu versehen versteht, die für mich den zusätzlichen Genuss bei der Lektüre beinhalten.... Ach ....vor EINEM sollte ich vielleicht warnen...bei Celia Fremlin ist es mit der Lust am literarischen Morden wie mit der alten Redensart beim Essen.... der Appetit kommt beim Schnabulieren ;-)) Ich äuge bereits vor der letzten Seite von "Rendezvous mit Gestern" nach dem nächsten Buch im Regal von ihr... "Onkel Paul".....und wer jetzt fragt, "Wer ist eigentlich Paul" , darf gerne bei der nächsten Rezension wieder hereinblinzeln.... denn EINES gilt hier gleichfalls .... wie bei jenem aus den Werbemedien nur allzu bekannt gewordenen Paul... man kann sich an Fremlins und anderen Kriminalgeschichten jeden Buchstaben leisten, ohne sich daran kalorienmässig zu viel anzutun.... man KANN sich gar nicht daran satt lesen ;-))) Einen heitermakabren Tag ;-)
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